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Invasive Mammadiagnostik
Autor: Prof.
Dr. med. Volker Barth
Invasiv
(eingreifend) wird die Mammadiagnostik, wenn sie sich nicht
nur auf Mammographie, Sonographie (Ultraschall) und Kernspintomographie
stützt, sondern zur Punktion und Gewebsentnahmen übergeht
ohne eine aufwendige Operation (offene Biopsie) mit dem Ziel
der feingeweblichen Analyse einer Veränderung in der
Brustdrüse.
In
Frage kommen:
- Feinnadelpunktion
(FNB)
- Stanzbiopsie
- Vakuumbiopsie
Die
offene Biopsie ist aufwendig und psychisch belastend
und wird meist im Krankenhaus durchgeführt. Um den Krankenhausaufenthalt
zu vermeiden werden zunächst die invasiven Techniken
eingesetzt. Diese erfolgen entweder "freihändig"
(bei tastbaren Veränderungen), ultraschallgesteuert (bei
im Ultraschallbild sichtbaren Knoten) und röntgengesteuert
(digital-stereotaktisch) (bei nur im Mammogramm nachzuweisenden
Veränderungen). Da Mikrokalk im Ultraschall nicht sichtbar
ist, muß er digitalstereotaktisch angegangen werden.
Hierzu stehen unterschiedliche Einrichtungen zur Verfügung.
Im eigenen Arbeitskreis werden die Verkalkungen mit einem
digitalstereotaktischen Gerät millimetergenau in der
Brust aufgesucht und gestanzt.
Die Einrichtung (Senovision, Firma General Electric) kostet
125.000 Euro. Folglich sind die Biopsien nicht billig, aber
wesentlich billiger als z.B. eine offene Biopsie im Krankenhaus.
Die Eingriffe im Einzelnen:
Feinnadelbiopsie
(FNB)
Diese Verfahren ist schnell einsetzbar, billig und nahezu
schmerzlos. Bei tastbaren Veränderungen (Knoten,
Verhärtungen) wird ohne örtliche Betäubung
mit einer dünnen Nadel Gewebe aus der Veränderung
mit Unterdruck entnommen, auf Objektträgern verteilt,
gefärbt und begutachtet. Die Feinnadelpunktion
ist nicht so genau wie eine Stanzbiopsie, wo der Pathologe
das zusammenhängende Gewebe und nicht nur einzelne
Zellen begutachten kann. Immerhin erlaubt das Verfahren
in der Hand des Geübten eine Vorhersage, ob es
sich eher um einen gut- oder bösartigen Prozess
handelt. Es gibt Regionen in der Brust (hinter der Brustwarze,
in Achselhöhe oder unmittelbar unter der Haut),
die einer Stanzbiopsie nicht zugänglich, aber mit
der Feinnadelpunktion gut erreichbar sind. |
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Stanzbiopsie
Hierbei werden tastbare oder mammographische bzw. sonographisch
sichtbare Veränderungen nach örtlicher Betäubung
mit einer etwas dickeren (2.5 mm) Nadel punktiert. Dabei
wird eine Führungshülse benützt und über
sie dann mehrere Gewebszylinder für die feingewebliche
Untersuchung entnommen. Auf digital-stereotaktischem
Weg können auch gruppierte Kalkablagerungen "gestanzt"
werden, wobei in vielen Fällen eine offene Biopsie
vermieden werden kann.
Der Vorteil der Stanzbiopsie gegenüber der Zytologie
ist, daß bei einem gutartigen Tumor meistens keine
Operation mehr nötig ist, bei einem bösartigen
Befund eine zweimalige Operation bei der Behandlung
des Tumors, zu mindest aber die so gennante Schnellschnitt-Untersuchung
während der Operation entfällt (ein-zeitiges
Vorgehen) und sich dadurch die Operationszeit wesentlich
verkürzt. Ist der bösartiger Tumor schon vor
der Operation durch eine Stanzbiopsie gesichert worden,
wird der Knoten aus der Brust sicherer vollständig,
d. h. mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand zum
gesunden Gewebe entfernt, als bei einer offenen zwei-zeitigen
Biopsie. Für die Patientin ist es besser, im Fall
eines bösartigen Prozesses bereits vor der Operation
Bescheid zu wissen und mit dem Arzt das weitere Vorgehen,
die Heilungschancen, den Erhalt der Brust und anderes
besprechen zu können.
Im Falle eines gesicherten bösartigen Prozesses
wird vor der Operation bei uns eine Kernspintomographie
durchgeführt um noch weitere Herd in der betroffenen
oder in der klinisch gesunden Brust auszuschließen
oder nachzuweisen was Auswirkungen auf die Operationstechnik
und die Rezidivhäufigkeit hat. |
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Vakuumbiopsie
Wenn sich bei der Stanzbiopsie herausstellt, daß ein
Unruheherd vorliegt, der eventuell in die Vorstufe eines bösartigen
Prozesses übergehen kann (atypisch duktale oder lobuläre
Hyperplasie) entfernen wir die Veränderung durch eine
Vakuumbiopsie. Sonographisch oder digital-stereotaktisch (siehe
oben) gesteuert wird dann eine dickere Nadel nach örtlicher
Betäubung in die auffällige Geweberegion eingeführt
und unter Rotation der Nadel schrittweise abgesaugt.
Offene Biopsie
Sollte sich bei der Feinnadelpunktion oder der Stanzbiopsie
ein bösartiger Prozeß oder eine Vorstufe herausstellen
(duktales Insitu-Carzinom DCIS, infiltrierender bösartiger
Tumor) so ist in jedem Falle eine offene Biopsie erforderlich,
da der Tumor im Gesunden entfernt werden muß, was durch
Stanzbiopsien und Vakuumbiopsien nicht ausreichend sicher
gelingt.
Die offene Biopsie sollte nur für potentiell bösartige
Prozesse vorgehalten werden, oder für gutartige Knoten
auf deren Entfernung die Frau besteht. Alles andere läßt
sich heute durch die oben genannten Verfahren abklären.
Es ist also nicht notwendig, zur Klärung eines Rundschattens
oder gruppierter Verkalkungen primär eine offene Biopsie
durchzuführen wenn nicht ein bösartiger Prozeß
zuvor durch Stanze gesichert worden ist.
Die offene Biopsie ist aufwendig, mit einer erheblichen psychischen
Belastung der Patientin verbunden (Narkose, Aufklärungsgespräch
über Operationsverfahren usw.) und hat eine deutlich
höhere Komplikationsrate.
Lassen
Sie sich also nicht unnötig operieren, wenn bei Ihnen
etwas Auffälliges in der Brust festgestellt wurde und
nicht vorher die invasive Mammadiagnostik eingesetzt wurde.
Die
interventionellen Maßnahmen sind - außer der einfachen
Feinnadelpunktion und der Stanzbiopsie tastbarer Veränderungen
- keine kassenpflichtigen Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung.
Die Kostenübernahme müssten Sie - sofern Sie nicht
privatversichert sind - vorher klären. Wir geben ihnen
in jedem Fall eine genaue Auflistung der zu erwartenden Kosten
und eine Begründung für die Notwendigkeit mit, wenn
eine solche gegeben ist.
Bei allen oben genannten Methoden - außer der offenen
Biopsie - sind kaum Komplikationen zu erwarten, allenfalls
kleiner Blutergüsse, selten auch einmal Entzündungen
oder allergische Reaktionen auf das örtliche Betäubungsmittel.
Bei unseren bisher durchgeführten 15.000 Feinnadelpunktionen
und etwa 300 Stanz- und Vakuumbiopsien haben wir diese Komplikationen
nur äußerst selten gesehen. Einem Bluterguß
beugen wir durch Anlegen eines Kompressionsverbandes für
einige Stunden vor (nur bei Stanz- und Vakuumbiopsie). Die
Untersuchung dauert etwa eine Stunde, wird im Allgemeinen
ambulant durchgeführt und sie können alleine wieder
nach Hause fahren. Besser ist es allerdings, wenn sie eine
Begleitperson mitbringen.
Mit
freundlichen Grüßen
Prof.
Dr. med. V. Barth
Chefarzt
 Brustkrebs
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